Denkfehler des Hirns
Manipulation
Unser Hirn lässt sich sehr leicht beeinflussen. In der Regel schützt uns das vor Unglück. Hast Du Dir einmal als Kind die Finger an einer heissen Herdplatte verbrannt, ist das Hirn schon auf diese Gefahr programmiert, es wird derartige Kontakte so gut es geht vermeiden. Diese Fähigkeit des Hirns ist eine sehr allgemeine und wird automatisch auf alles auch scheinbar Gefährliche angewandt. So ist es nicht verwunderlich, dass auch das Fliegen vom Gehirn so behandelt wird. 70 % aller Menschen sollen eine gewisse Flugangst haben. Klar, das Hirn denkt: der Mensch ansich kann nicht fliegen, oder vielleicht ist er schon irgendwo einmal "heruntergeflogen" und hat sie gespürt, die unsanfte Landung. Mehr Beweise braucht ein normales Hirn nicht, um sich schützen zu wollen.
reale Wahrscheinlichkeiten
sind für diese Funktion des Schutzes dem Hirn nicht wichtig. Das schlechte, selbsterzeugte Gefühl zu Handlungen und Situationen sind viel wirksamer. Genauso führen gute Gefühle zu einer Verhaltensaufforderung: So dürfte ein normales Gehirn keine Lust am Lottospielen spüren, tut es aber, obwohl die Wahrscheinlichkeit für Gewinn weit unter den Verlusten in der Realität steht. Also Wahrscheinlichkeiten sind nur für das Bewusstsein wichtig, für gefühltes Erleben fast unbedeutend.
Konstruktion der Wirklichkeit
Eine schwierige Vorstellung, dass jeder Mensch, beziehungsweise sein Hirn eine ganz individuelle innere Wirklichkeit konstruiert, die nahezu nichts mit der wirklichen Wirklichkeit zu tun hat. Jede individuelle Wirklichkeit entsteht durch Erfahrungen und Gefühle dazu. So hat jeder Mensch seine eigenen Erfahrungen und seine eigene gefühlsmässige Bewertung dazu, das lässt die gefühlte Risikoeinschätzung zweier verschiedener Hirne dramatisch unterschiedlich sein. So schätzt ein Mensch, der selbst ein Flugzeug steuert, seine Tätigkeit als fast risikofrei ein, wohingegen ein Mensch der gerade ein spektakuläres Buch über Flugunfälle gelesen hat, mit Sicherheit an eine unmittelbare Bedrohung glaubt.
Denkfehler nichts als Denkfehler, die uns unsere schönen Gefühle beim Fliegen und die Vorteile durch das Fliegen eintrüben können.
Das Fernsehen und die Presse
nutzen dieses Wissen für Einschaltquoten und Absatz aus. So genügt ein Fernsehbericht oder ein Bild in einer Pressemeldung, dass unser Hirn erfolgreich auf das Angstmuster umschaltet. Ein Mord in einer Großstadt an einem S-Bahnhof und nachts traut man sich für Wochen nicht mehr mit der S-Bahn fahren oder hat ständig Angst im Nacken. Dabei ist es immerhin 12 x wahrscheinlicher umgebracht zu werden, als durch ein Flugzeug getötet zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du einem Mord zum Opfer fällst dürfte sehr gering sein, auch wenn ein Mensch in Deiner Stadt ein solches Schicksal hatte. Die Angst ist da, weil unser Hirn auf solche Meldungen und Berichte und vor allem Bilder unangemessen heftig reagiert. Das Hirn vermutet Du seist der nächste, obwohl das praktisch ausgeschlossen ist.